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1

Sonntag, 29. Juli 2012, 19:46

Emilio: "Darf ich bitte leben, ich möchte doch so sehr".

Emilio

Darf ich bitte
leben, ich möchte doch
so sehr.



Emilio
hat das Wort...


Ihr
Menschen seid doch schon sehr seltsame Geschöpfe...


Auf
der einen Seite überfahrt ihr mich...


Ihr
lasst mich völlig unbeachtet am Straßenrand liegen, obwohl ich so
laut um Hilfe geschrien habe. Die ganze Nacht habe ich nach meinen
Katzeneltern gerufen, die suchen mich doch bestimmt!


Warum
kann ich eigentlich nicht aufstehen und meine Beine bewegen? Wisst
ihr, warum mir mein Kopf und
mein Mäulchen so schmerzen? Das liegt bestimmt an den zersplitterten
Reißzähnen, die sich tief in meine Wangen graben.


Es
tut mir alles sooo weh...!!! Wieso hilft mir denn niemand??? Jetzt
liege ich schon ganz lange hier, ich bin schon ganz steif und
schläfrig. Wenn ich jetzt einfach so meinen Kopf hinlege, geht es
bestimmt ganz schnell. Müde genug bin ich ja, und viel Hoffnung habe
ich auch nicht mehr, meine Stimme ist fast weg. Ganz weit entfernt
höre ich ein Geräusch.


War
da eine Stimme? Benommen hebe ich den Kopf und lausche dem
warmherzigen Klang, der mir sagt, dass jetzt alles gut wird. Eine
Frau nimmt mich auf den Arm, ich denke noch: “Oh, nein, ich mache
sie ganz schmutzig!“ Offensichtlich macht der netten Dame das
nichts aus, denn sie spricht ganz lieb mit mir. Ich fühle mich
wieder ein wenig besser, bin ganz ruhig und lausche der Stimme, die
Hilfe verspricht. Nach einer ganz kurzen Weile werde ich bei Menschen
abgegeben, die sich sofort um mich kümmern.


Ob
die wohl wissen, wie man dieses Ding in meinem Nacken abliest? - Sie
wissen es, ich höre meine Katzeneltern! Warum klingen die denn so
komisch? Die weinen doch nicht etwa? Ich glaube, ich kann sie
riechen, da kommen sie, und jetzt weiß ich, dass alles gut wird.


Emilio
ist am 17.01.2010 geboren. Wir haben ihn von einer sehr netten
Züchterin gekauft. Er hatte damals schon eine Behinderung, sein
linkes Auge ist erblindet, das hat ihn und uns nie gestört. Wir
haben uns ganz bewusst für einen Handicapkater entschieden.




Donnerstag 25.11.2012
Der
Tag begann völlig bedeutungslos. Ich fütterte mein Katzenrudel, und
nichts wies auf das einschneidende Erlebnis hin, das unser Leben
völlig durcheinander wirbeln würde.


Emilio,
mein kleiner Nimmersatt, ging seiner Lieblingsbeschäftigung nach:
„Wie kann ich am schnellsten alle Näpfchen leerräumen, ohne dass
die anderen Pelzgesichter dazwischen funken?“


Diesen
Sport betreibt er mit Hingabe, daher wurde ich schon leicht unruhig,
als er zur nächsten Fütterung nicht auftauchte. Selbst Lockrufen,
die er sonst immer befolgt (gibt ja auch ein besonderes Leckerchen),
widerstand er. Als er auch abends nicht nach Hause kam, ließ unsere
tiefe, innige Bindung mich spüren, dass etwas ganz Grässliches
passiert sein musste.


Kennt
Ihr dieses subtile, unbestimmte Gefühl, das in einem bohrt und
Magenschmerzen verursacht?


Gedanken
verselbstständigen sich, Erlebnisse und kleine Anekdoten mit unserer
Fellnase kamen mir in den Sinn. Quälende Bilder tauchten vor meinem
inneren Auge auf. Emilio, hilflos im Straßengraben liegend, mein
Kater, der in einem Käfig eins Tierfängers sitzt und laut weint,
weil er intuitiv weiß, dass er Furchtbares durchleben wird. Nein,
das darf einfach nicht sein, wir machten uns auf den Weg.


Unsere
ausgiebige Suche verlief ergebnislos und die folgende Nacht ohne
einen Moment Schlaf.


Der
Anruf von Tasso kam daher nicht unerwartet. Ich habe Emilio bei der
Kastration chippen lassen. Die erstversorgenden Tierärzte haben den
Chip ausgelesen, Tasso informiert und meinen Rückruf
erbeten.Spätestens in diesem Augenblick verknotete sich mein Magen
zu einem unförmigen Etwas, die Gesichtszüge entgleisten mir und ich
wurde aschfahl.


Etwas
zu ahnen oder es definitiv zu wissen, sind zwei Paar Schuhe. Im
ersten Fall hofft man noch auf ein Versehen, auf eine andere
Möglichkeit, wie in der Garage des Nachbarn eingeschlossen zu sein.
Ich erinnere mich an eine Situation. Emilio blieb auch über Mittag
weg, am Abend war er immer noch nicht zu Hause, ich lief durch
unseren Garten und rief ihn laut. Bis zum Gartenhaus des Nachbarn.
Auf mein Rufen erfolgt eine Antwort, ich öffnete die Türe und
Emilio reckte und streckte sich, maunzte kurz und sah mich an mit den
Worten. „Das wurde aber auch Zeit, hättest Du nicht eher kommen
können“, im Blick, ein Gähnen unterstrich seine komische Mimik.


Im
zweiten Fall fühlt sich das einfach nur schrecklich an.


Mein
Mann hinterfragte gar nichts, sondern sagte:“Ich hole das Auto,
nimm dein Handy mit, du kannst auf dem Weg mit der Praxis
telefonieren.“ Während des Telefonates versuchte mir die
behandelnde Ärztin einfühlsam mitzuteilen, dass mein Kater schwer
verletzt abgegeben worden sei. Offensichtlich habe ein Auto ihn
überfahren und es sähe gar nicht gut aus, ich solle mich auf das
Schlimmste einstellen. Obwohl mir augenblicklich das Blut in die
untere Körperregion sackte, ich anfing Rotz und Wasser zu heulen,
wollte ich wissen, welche Verletzungen er genau hat. In meinem Kopf
tauchten unwillkürlich furchtbare Bilder auf. Von überfahrenen
Katzen, die blutverschmiert, mit zerschmetterten Gliedern einfach so
daliegen. Worte wie Lähmung, keinerlei Schmerzreflexe, Dehydrierung
und Unterkühlung fielen. In dem Moment dachte ich gar nichts mehr.


Wenige
Minuten später trafen wir in der Praxis ein. Als man uns sofort in
ein Behandlungszimmer führte, obwohl das Wartezimmer überfüllt
war, ahnte ich schon, was für ein schlimmer Anblick mich erwarten
würde. Da lag er, ein kleines Häufchen Elend, völlig zerzaust und
erschöpft. Ich dachte noch: „Sieht doch gar nicht so schlimm aus,
keine zerquetschten Gliedmaßen, und wo ist das Blut?“ Ich näherte
mich vorsichtig und sprach ihn an. „Hey, mein Junge, was machst Du
nur für Sachen?“. Er hob mühsam den Kopf. Erst da sah ich das
ganze furchtbare Ausmaß. Der Mund war verformt, das Fell unterm Kinn
eingerissen, die Zähne im Mäulchen zersplittert. Der mitleidige
Blick der Tierärztin Frau Dr. Hellmann sprach Bände.



Emilios
Hinterläufe und der linke Vorderlauf wiesen eine Parese (Lähmung)
auf. Zum Test der Schmerzreflexe wurde Emilio im Bereich der
Lähmungen vorsichtig mit einer Nadel gepiekt und mit einer
medizinischen Zange angefasst – er schien es leider überhaupt
nicht zu spüren!


Aus
Emilios Sicht


Erleichtert
höre ich eine vertraute Stimme, die sich langsam nähert. Schnurr,
diese streichelnde, liebkosende Hand, die mich federleicht berührt,
würde ich aus Hunderten erkennen.


Endlich…
endlich kann ich mich fallen lassen und ausruhen.



Mit
einem Ohr höre ich den Zweibeinern zu, ein wenig aufgeregt hören
sie sich ja schon an. Einschläfern? Was heißt denn das? Schlafen
mag ich im Moment aber gar nicht. Ich höre Schritte, die sich
nähern. Was passiert denn jetzt, wieso werde ich weggetragen, und
weshalb geht mein Frauchen nicht mit??? Mein Herz hämmert. Nein,
bitte lass' mich nicht alleine, ich habe doch solche Angst!!! Der
dunkle Raum riecht aber gar nicht gut. Ich höre ein Summen und
Klicken, das hört sich fast an wie dieses Blitzdings zu Hause, das
Zweibeiner immer lächeln lässt. Jemand sagt: „So, Emilio, wir
sind fertig, gleich bist du wieder bei deinem Frauchen.“ Vor lauter
Aufregung hechle ich, hoffentlich tropfe ich nicht alles voll. Da, da
sind sie!


Normalerweise
würde ich jetzt lostrippeln, um ganz schnell bei meinen Menschen zu
sein. Irgendwie geht das nicht. Obwohl ich mich bemühe, kann ich
meine Beine nicht bewegen. Selbst beim Ablegen auf die wunderbar
weiche, warme Decke kann ich nicht helfen. Nun ja, so ist es eben.
Aber die Hauptsache ist, dass ich wieder bei meinen Katzeneltern bin.
Selbst der kleine Pieks und das seltsame, lange Ding in meinem Arm
stören mich nicht mehr.. Meine Menschen sind ganz nah, ich kann sie
riechen und spüren, sie lassen mich bestimmt nicht mehr los...


Unter
meinem vorsichtigen Streicheln beruhigte sich Emilios Atmung, er
schnurrte (obwohl Katzen auch unter enormen Schmerzen schnurren) und
versuchte zu köpfeln.


Für
unsere Entscheidung nahmen wir uns Zeit, Emilio schaute mich an, als
wolle er sagen: „Mach nur, du entscheidest schon richtig, und ich
werde mit allem einverstanden sein.“. Möglicherweise hat mich
dieses Vertrauen auf mein Gefühl hören lassen. Sicher hatte ich
auch in diesem Moment Zweifel. Fragen flogen durch meinen Kopf.


Wie
soll ein stolzer Freigänger mit drei gelähmten Gliedmaßen leben?


Wie
kann er sich fortbewegen? Würde er im Rudel mit seiner Erkrankung
einen festen Platz und die so dringend notwendige Akzeptanz finden?


Wer
einen Kampf gar nicht erst antritt, weiß doch gar nicht, ob er ihn
möglicherweise gewonnen hätte. Klar, die Aussicht war denkbar
schlecht, dennoch stand meine Entscheidung fest.. Fragend blickte ich
meinen Mann an, der sagte: „Wenn du das durchziehst, stehe ich
hinter dir“.


Für
die Tierärztin war die Information eindeutig. Die Behandlung begann
sofort mit dem Röntgen, dem Anlegen einer Infusion und dem Lagern
auf einem Wärmebett. Die Tierärztin besprach mit uns die weitere
Vorgehensweise. Eine Behandlung durch eine Spezialistin für
Wirbelsäulenschäden war notwendig, die Tierärztin stellte den
Kontakt zu Frau Dr. Sylvia Kinzel in Aachen her. Obwohl es ein
Freitag war, kurz vor dem Wochenende, und eigentlich bei Dr. Kinzel
keine Sprechstunde vorgesehen war, durften wir Emilio dort
vorstellen.


In
Aachen angelangt, fühlten wir uns augenblicklich gut aufgehoben. Den
überaus menschlichen Umgang mit meinem Emilio kannte ich nur von
meiner Haustierärztin, Frau Dr. Martina Schullenberg, ich hätte
nicht gedacht, dass auch andere Tierärzte so einfühlsam sein
können. Dr. Kinzel und Herr
Dr. Alexander
Schumacher

sprachen Emilio auf sehr eindrucksvolle Weise direkt an, untersuchten
und behandelten ihn wie ein verletztes Kind.


Dr.
Kinzel stellte ihr enormes Fachwissen sofort unter Beweis. Eine kurze
Untersuchung beider Augen veranlasste sie, die weitere Untersuchung
sofort einzustellen.


Schweres
Schädel-Hirn-Trauma...


Ihr
Kater braucht jetzt Ruhe, absolut keinen Stress, Dunkelheit und
ständige Beaufsichtigung. Hoffentlich überlebt er das Wochenende,
es sieht gar nicht gut aus!“.


Zur
Unterstützung bekam Emilio noch einige Medikamente.


Nachdem
Dr. Kinzel sich vergewissert hatte, dass eine ärztliche Betreuung
für das Wochenende gesichert war, Fr. Dr. Schullenberg würde uns
begleiten, entließ sie uns mit Hoffnung und guten Wünschen.


Im
Rückblick muss ich feststellen, dass ich eine verdammt coole
Haustierärztin (Dr. Schullenberg) habe, die ihren Beruf auch als
Berufung sieht und sofort alles in die Wege geleitet hat, um Emilio
bestmöglichst zu versorgen. Auch, wenn das hieß, dass sie uns nach
ihrer regulären Sprechstunden und auch am Sonntag aufsuchen musste.
Für den Notfall hinterließ sie uns ihre private Telefonnummer,
unter der sie auch Nachts für uns erreichbar war.


Auf
dem Heimweg machte ich mir keinerlei Gedanken über die Zukunft, was
uns erwartet, wie alles ausgeht. In dem Gedanken, kleine Schritte
führen ans Ziel, ließ ich das Alles auf mich zukommen. Zudem
überwog in diesem Moment die Freude, mein geliebtes Pelzgesicht
Emilio wieder im Arm zu halten.


Zu
Hause


Aus
Emilo`s Sicht


Ich höre ein
Klicken und Schließen. Endlich bin ich zu Hause, der Duft meiner
Freunde ist unverkennbar. Ob sie mich wohl noch mögen?


Im Moment fühle
ich mich nicht gerade gut und glaube, ich rieche auch ein wenig. Was
höre ich da? Die Welpen der Zweibeiner. Die sind so leise, dass ich
sie fast gar nicht wahrnehme, sehr merkwürdig.


Ich werde ins
Wohnzimmer gebracht, wie schön, hier ist es warm und ich bin ganz
nah bei meiner Familie. Wo ich wohl schlafen darf? Ich fühle mich
schwach und bin unsagbar müde. Mein Körper tut weh und meine Augen
sind auch ganz komisch. Mit dem Gucken, das klappt ja gar nicht
richtig, wer hat mir denn da einen Schleier auf das Gesicht gelegt?


Es raschelt und
ruckelt. Das hört sich an, als würde etwas über den Boden
geschoben. Plötzlich spüre ich die zarten Hände meines
Zweibeiners. Ganz vorsichtig hebt sie mich an und trägt mich zu dem
weichen Sofa, auf dem ich sonst auch gerne liege. Viele weiche Tücher
liegen unter mir, das fühlt sich gut an, mir fallen die Augen zu.


Zu
Hause angelangt stellte sich mir die Frage, wo ich Emilio am besten
unterbringen kann, so dass er bequem liegt und ich ihn ständig in
meiner Nähe haben kann, ohne andere Familienmitglieder zu stören.
Das Wohnzimmer bot sich geradezu an.


Zentral
gelegen und Mittelpunkt des Geschehens, so dass der soziale Kontakt
zu Zwei- und Vierbeinern jederzeit gewährleistet war. Eine
vollständige Isolation wäre für eine erfolgreiche Genesung Emilios
nicht hilfreich gewesen, da Emilio immer fester Bezugspunkt seines
Rudels war . Zudem war es sinnvoll, seine kätzische Familie, auf die
veränderte Situation aufmerksam zu machen, denn ihre Reaktion auf
das schwerverletzte Familienmitglied war sehr wichtig.


Unsere
Couchgarnitur sollte die passende Lösung sein. Man konnte sie
problemlos so zusammenstellen, dass eine große Liegefläche
entstand. Die Lehnen sorgten dafür, dass sich Emilio nur innerhalb
eines begrenzten Raumes aufhielt und er bei Bewegungen nicht runter
fallen konnte. Eine Seite war für Emilio gedacht und die andere für
mich. Zum Schutz hatte ich Emilios Liegeseite mit einer waschbaren
Inkontinenzauflage bedeckt. Darauf legte ich Frotteehandtücher, die
mit einer Lage Einmalauflagen versehen wurden.


Jetzt
konnten wir gut vorbereitet in unsere erste Nacht starten. Emilio lag
in seinem Transportkorb und war von den Vorbereitungen völlig
unbeeindruckt. Die Erleichterung, sich endlich wieder in einer
gewohnten Umgebung mit geliebten Lebewesen zu befinden, war ihm
deutlich anzumerken.


Ganz
vorsichtig hob ich meinen Kater aus dem Korb und legte ihn auf seinen
Platz. Vorab hatte ich das Wohnzimmer abgedunkelt, meine Söhne waren
vorab über die Situation informiert worden. Selten habe ich Teenager
gesehen, die so emphatisch reagiert haben. Daniel und Alexander
bewegten sich äußerst leise durch die Wohnung und verzichteten auf
den Besuch von Freunden. Sie waren ohnehin durch das leidvolle Jahr
2011 seelisch gezeichnet. Am 06.07.2011 verstarb ihr geliebter
Großvater. Der Mensch, der ihr Leben entscheidend mit geprägt
hatte, der Beiden das Laufen beigebracht und die erste Liebe
miterlebt hatte. Unsere 13 jährige Hündin Kira folgte Opa ein paar
Wochen später. Und jetzt, jetzt stand schon wieder ein geliebtes
Wesen auf der Schwelle zwischen Leben und Tod.


Wie
gesagt, auf der Schwelle. Diesmal hatten wir die Chance einen Kampf
zu führen, dessen Ergebnis nicht absehbar war. Manchmal fällt der
Samen des Schicksals auf fruchtbaren Boden, warum sollte Emilio nicht
davon profitieren. Wir waren mehr als bereit, mit Emilio diesen
schweren Weg zu beschreiten. Zunächst war das Wochenende die Hürde,
die zu bewältigen war. Emilio


orientierte
sich kurz, schnuffelte noch einmal und fiel dann in einen tiefen,
hoffentlich erholsamen Schlaf. Nur das gelegentliche Zucken seines
Oberkörpers ließ erkennen, dass er unterbewusst kämpfte. Was ging
wohl in seinem Kopf vor. Ob er das Geschehene noch einmal erlebte,
das Geräusch des Fahrzeuges, das bleibende Schäden verursachte. Die
Angst vor der Nacht ohne Menschen und Rudel mit, die Ungewissheit,
den nächsten Tag erleben zu dürfen?


In
der Nacht wachte er häufiger auf und erkundigte sich mit leisem
Wimmern und Maunzen, ob sein Zweibeiner noch in der Nähe ist. Sobald
ich meine Hand auf seinen Körper legte, schien er sich sofort zu
beruhigen und schlief wieder ein. Nach der unruhigen Nacht, in der
ich immer wieder zwischendurch schaute, ob mein Kater noch atmet,
hieß ich den nächsten Morgen willkommen. Eine überstandene Nacht
bedeutete ja auch einen weiteren Schritt ins Leben zurück!


Emilio
war aufgewacht, die zahlreichen Prellungen sorgten jedoch dafür,
dass er nur mühsam den Kopf heben konnte. Er schaute mir in die
Augen und schien zu fragen: „Wie soll das jetzt mit mir weiter
gehen?“


Das
magische Zeitfenster


Mein
Wahlspruch gerade in extremen Situationen lautet: „Geduld, Ruhe und
Zuversicht ist das Fundament, auf dem die Welt erbaut wurde.“
Alternativen gab es nicht, und Aufgeben kam überhaupt nicht in
Frage!


Über
Nacht hatte Emilio Urin abgesetzt. Leider nicht in der Menge, die
hätte sein müssen. Seine Blase konnte er offensichtlich nicht
steuern, das war ein Punkt, den ich bei Dr. Schullenberg ansprechen
musste.


Einen
Termin hatten wir ja bereits am Freitag vereinbart. Emilio machte
darauf aufmerksam, dass er sich in seiner derzeitigen Lage unwohl
fühlte. Also entfernte ich die Einmalauflagen, legte neue Handtücher
auf und machte mir Gedanken, ob er sein Futter annehmen würde. Einen
Versuch war es wert, da er ja seit Donnerstag nichts mehr zu sich
genommen hatte. Ich pürierte sein Lieblingsfutter und versetzte es
mit 2 Esslöffeln Wasser, da Emilio auch nicht trank. Das angebotene
Wasser aus dem Napf konnte er nicht aufnehmen, das war wohl zu
schmerzhaft. Den flachen Teller mit dem Futter-/Wassergemisch stellte
ich vor Emilio hin. Er hob den Kopf und drehte seinen Oberkörper in
Richtung des herrlichen Duftes.



Nach
kurzem Schnuffeln war der Hunger größer als der Schmerz, und man
hörte nur ein zufriedenes Schmatzen und Schlürfen. Er verschlang
das Futter in kürzester Zeit, verständlich, wenn man bedenkt, dass
er seit seinem Unfall nicht mehr gegessen hatte. Nachdem auch der
letzte Krümel vom Teller verschwunden war, legte Emilio sich
erschöpft zurück und schlief schnell tief und fest. Seine äußerst
interessierten Freunde hatten ebenfalls den wunderbaren Duft des
Schinken/Wasser Gemisches aufgenommen. Merkwürdigerweise versuchten
sie nicht, an den Teller zu gelangen. Können Katzen Situationen
erfassen und umsetzen? Für mich sah es fast so aus.




Für
12:00 Uhr war ein Behandlungstermin mit Dr. Schullenberg in der
Praxis vereinbart. Nach der ausgiebigen Begrüßung untersuchte
„Schulli“ Emilio ganz vorsichtig. Sie zog ihm zwei der
zersplitterten Zähne, weil sie drohten, die Mundschleimhaut zu
verletzen. Nach der Gabe von Schmerzmitteln vereinbarten wir einen
weiteren Termin für den Abend bei uns zu Hause. Dr. Schullenberg hat
erkannt, dass weitere Transporte Emilio noch zusätzlich belasten. So
lange es notwendig war, wollte sie uns zu Hause aufsuchen und die
erforderlichen Behandlungen in Emilios gewohnter Umgebung
durchführen.


Emilio
verschlief den restlichen Tag, und wüsste ich nicht, dass Katzen
ohnehin auf leisen Pfoten schleichen, hätte ich vermutet, dass der
Rest des Rudels über das Laminat geschwebt ist. Ich habe keine
andere Katze gehört, obwohl die sich sonst schon mal raufen und
eigentlich nicht besonders leise gehen. Die Redensart: „Der Körper
gesundet im Schlaf.“ war auf Emilio uneingeschränkt anwendbar.


Als
seine Tierärztin „Schulli“ ihn am Abend liebevoll ansprach, war
er schon deutlich aufnahmefähiger. Sie untersuchte ihn erneut sehr,
sehr behutsam und sprach ganz leise aufmunternd mit ihm. Sie ließ
sich überhaupt nicht anmerken, wie ernst die Situation für Emilio
war.


Sorge
bereitete ihr die prall gefüllte Blase. Emilio konnte seinem
Harndrang nicht nachgeben beziehungsweise ihn nicht steuern, die
Blase hatte als solche ihre Funktion eingestellt und fungierte
lediglich als Überlauf. Urin wurde in der Blase gesammelt, konnte
aber auf natürliche Art und Weise nicht abgeführt werden, sondern
lief über, sobald die Blase zu voll war. Dr. Schullenberg nahm
Emilio vorsichtig auf und ging mit ihm zum Spülbecken in der Küche.
Sie drückte mit schnellen, routinierten Griffen die Blase manuell
aus und zeigte mir nebenbei, mit entsprechenden Erklärungen, wie das
geht. Der Anblick des Urins versetzte mir einen Schock. Blut, ganz
viel Blut im Urin! Der war nicht mehr gelb oder durchsichtig, sondern
vom Farbton her tiefrot. Dr. Schulli beruhigte mich und klärte mich
auf.


Nach
einem Verkehrsunfall, so wie ihn Emilio erlitten hatte, ist es völlig
normal, dass sich Blut im Urin sammelt,verletzte Muskeln, Fasern
sorgen für eine Rotfärbung des Urins. Laut Röntgenbild war die
Blase intakt, von daher brauchten wir uns zunächst nicht zu sorgen.
Eine intakte Blase, mit dem entsprechenden Gefühl dafür, wäre
jetzt schon toll gewesen. Da das nun mal in der derzeitigen Situation
Wunschdenken war, leitete Dr. Schullenberg mich noch praktisch an,
was das manuelle Entleeren der Blase anbelangt. Sie hat das auch
mehrfach versucht, nur war ich nicht in der Lage, das vernünftig
umzusetzen.


Jedes
Mal, wenn ich versuchte, Emilios Blase auszudrücken, maunzte er. War
es Schmerz oder mein unbeholfener Handgriff? Ich konnte es nicht
beurteilen. Was ich konnte, war, meine Unfähigkeit einzugestehen.
Dr. Schullenberg sollte am nächsten Tag auch dafür eine Lösung zur
Hand haben. Am Sonntag legte sie Emilio nach einer örtlichen
Betäubung einen Katheter, vernähte ihn und verschloss ihn mit einem
Drehstopfen. Problem erkannt, Problem gebannt. So ist sie halt eben,
immer kompetent pragmatisch.


Sie
nahm meine Hand und zeigte mir, unter Führung ihrer Hand, wie sich
eine prall gefüllte Blase anfühlt (wenn ich das beschreiben müsste,
würde ich sagen, wie ein Tennisball, der sich in den hinteren
Bauchraum verirrt hat). Der Stopfen wurde aufgedreht, die Blase von
unten gestützt, von oben gedrückt, und schon lief es, immer noch
verfärbt, nur heller. Das würde ich wohl jetzt häufiger machen.
Emilio lag da und ließ den ganzen Vorgang in der ihm eigenen
Gelassenheit über sich ergehen. Das Abhorchen der Lunge offenbarte
keinen guten Befund. Sie hörte sich feucht an. Das heißt: neben den
normalen Atemgeräuschen hört man ein Knistern oder Rasseln, welches
durch abgelöste Sekrete oder Ödemflüssigkeit ausgelöst wird. Die
Lunge wird dann nur unzureichend belüftet, und es droht eine
Lungenentzündung.


Um
eine schwerwiegendere Erkrankung zu vermeiden, war es jetzt nötig,
meinen Kater regelmäßig umzulagern, damit beide Lungenflügel
seitengleich belüftet werden. Dr. Schullenberg verabreichte Emilio
ein Antibiotikum, Cortison und ein Schmerzmittel. So war er für die
Nacht gut gerüstet.


Gedanken
mussten wir uns noch über seine mangelnde Verdauung machen. Emilio
war seit seinem Unfall nicht in der Lage, eigenständig Kot
abzusetzen. Durch das Abtasten war ersichtlich, dass der Darm gut
gefüllt war. Auch das Problem sollte Dr. Schullenberg am nächsten
Tag lösen.


Ich
bin so erleichtert, dass wir das Wochenende gut hinter uns gebracht
haben. Im Hinterkopf nagte immer der Gedanke, dass das schwere
Schädel-Hirn-Trauma lebensbedrohlich ist.


Das
Wochenende quasi als unser „Lebenszeit-Fenster“ anzusehen war.


Emilio
hatte sich über Nacht den Katheter gezogen und schaute mich mit
einem sehr selbstzufriedenen Gesichtsausdruck an. Er schien, durch
sein zerstörtes Gebiss lächelnd, zu fragen: „Na, habe ich das
nicht gut gemacht?“ Trotz des beständigen Austauschens der
Auflagen roch es extrem nach Katzenurin. Emilio sah vollkommen
verunreinigt aus und fühlte sich offensichtlich nicht wohl.


Ein
Dilemma! Auf der einen Seite traute ich mich nicht, meinen Kater
durch eine Körperreinigung zu stressen, auf der anderen Seite zeigte
er deutlich sein Unbehagen. Der Mittelweg erschien mir als
vernünftige Lösung. Mit einem feuchten, warmen Waschlappen reinigte
ich die betroffenen Stellen, so gut es ging. Ich gestaltete diesen
Vorgang für Emilio so angenehm wie möglich und beendete die
Prozedur mit einem Kügelchen Leberwurst für ihn als Belohnung.


Da
ich in dieser Woche ohnehin noch einen Termin mit Dr. Kinzel
vereinbart hatte, sollte sich auch für diese Situation eine Lösung
finden lassen.


----------
Der Einsatz von Windeln war mir zu diesem Zeitpunkt nicht geläufig,
und richtig logisch denken war nicht möglich.------- Zu diesem Thema
kehre ich später zurück.


Montagabend
besuchte Dr. „Schulli“ uns nach ihrer regulären Sprechstunde.
Sie hatte für Emilio einen Einlauf mitgebracht und führte die
Flüssigkeit mit einem dünnen Schlauch, nach einer oberflächlichen
Betäubung, in den Darm ein. Emilio war wenig begeistert und brachte
das auch zum Ausdruck. Dr. Schullenberg ließ sich jedoch nicht
beeindrucken und sprach beruhigend auf meinen Kater ein, der die
weitere Untersuchung dann auch kommentarlos über sich ergehen ließ.
Tapferer, kleiner Kerl!!! Eine andere Problematik war, dass er nicht
trinken wollte. Er nahm zwar Flüssigkeit über die Nahrung auf,
jedoch nicht im ausreichenden Maße. Dr. Schullenberg legte noch
einmal eine Infusion an und unterstützte seinen Kreislauf mit der
zusätzlichen Kochsalzlösung.


Emilio
war schon immer ein ganz besonderer Kater. Wir haben uns ganz bewusst
für ihn entschieden,
weil
er eine Behinderung hatte.


Durch
einen Behandlungsfehler im Welpenalter ist ein Auge erblindet, der
Glaskörper ist ausgelaufen und das Auge äußerlich stark vernarbt.
Es sieht nicht schön aus, das hat uns aber nie gestört.
Außenstehenden fällt die Behinderung auf Fotos und Videos nicht
auf, weil Emilio eine unglaubliche Ausstrahlung hat. Dieser Kater hat
uns bei der ersten Begegnung mit seinem Charme um den Finger
gewickelt, ich hätte keinen anderen Kater haben wollen. Er war und
ist etwas Besonderes und hat möglicherweise gerade wegen dieser
Behinderung ein anderes Verhältnis zu Menschen entwickelt und seine
Persönlichkeit durch seine unglaubliche Akzeptanz und Gelassenheit
bereichert, was für die folgende Physiotherapie äußerst hilfreich
war.


Dr.
Schullenberg gehört zu den besonderen Menschen und Ärzten, die
trotz einer lebensgefährlichen Erkrankung des Patienten ihren
Optimismus nie verlieren. Die mit einem Lächeln auf den Lippen und
einem Witz zur richtigen Zeit moralische Unterstützung gewähren, wo
andere Ärzte schon lange aufgegeben oder eher menschlich Distanz
gehalten hätten. Ohne sie hätten wir diese schwierige Zeit, mit dem
letztlich guten Ergebnis, sicher nicht so gut überstanden! Daher
hat sie bei uns einfach diesen unwiderstehlichen Spitznamen weg. Sie
ist und bleibt unsere Dr. Schulli.


Dienstag

Mit
einem Gefühl in der Magengrube, das sich am ehesten mit einem schwer
verdaulichen Objekt beschreiben lässt, machten wir uns auf den Weg
in die Tierklinik. Dr. Kinzel hatte einen gemeinsamen Termin mit der
ebenfalls dort ansässigen Tierärztin Frau Dr. Neumann, die
gleichzeitig auch als Physiotherapeutin arbeitet, vereinbart.


Emilio
verhielt sich während der Untersuchung sehr gelassen und eher
abwartend, so als wolle er sagen: „Ihr macht das schon!“. Er ließ
die Schmerzreflexuntersuchung ruhig und ohne erkennbaren Widerstand
über sich ergehen, als wisse er, dass das Ergebnis dieser
Untersuchung für ihn zukunftsweisend war. Mit einem Hauch von
Hoffnung erklärte Dr. Kinzel, dass die Schmerzreflexe erkennbar
zurückgekehrt seien.


Zwar
verlangsamt, es sei aber ein deutlicher Fortschritt zu letzten
Untersuchung erkennbar. Lediglich der linke Vorderlauf schien sich
nicht den anderen Läufen anpassen zu wollen. Emilio hielt seinen
linken Vorderlauf permanent nach innen geknickt und war nicht in der
Lage, ihn auch nur ansatzweise selbstständig zu bewegen. Die
Hinterläufe zog er während der Schmerzreflexuntersuchung ein wenig
an und zeigte damit seinen Fortschritt.


Eine
selbständige Belastung der hinteren Extremitäten war völlig
unmöglich. Dr. Neumann, die der Untersuchung beiwohnte, überprüfte
die regulären Reflexe der Beine, untersuchte die Muskulatur und
verschaffte sich einen Überblick über den körperlichen
Allgemeinzustand. Eine Lähmung der Hinterläufe an sich ist ja schon
tragisch, aber der Patient kann sich mit den Vorderläufen noch
fortbewegen. Wenn jedoch drei Beine von der Parese betroffen sind,
gestaltet sich eine Behandlung mit entsprechenden Genesungsaussichten
als sehr schwierig.


Entsprechend
dieser Untersuchungsergebnisse unterhielten wir uns über Emilios
Prognose. Dr. Kinzel sah die Genesung der Hinterläufe als sehr
vielversprechend, jedoch den linken Vorderlauf recht kritisch. Dr.
Neumann war anderer Meinung. Sie sah die Genesung der Hinterläufe
eher kritisch, die des Vorderlaufes eher positiv.


Was
nun?


Wie
vermag ich einen vernünftigen Kompromiss zu finden, für ein
Lebewesen, das ich liebe und für das ich die Verantwortung
übernommen habe. Verantwortung heißt aber auch, zum richtigen
Zeitpunkt loslassen zu können.


Was
würde Emilio wollen, hat er überhaupt ein lebenswertes Leben mit
einer Lähmung? Er war Freigänger und das Spielen mit seinem Rudel
gewohnt. Würde er darauf verzichten können?


Fragen,
die in geballter Form auf einen auftreffen. Entscheidungen, die
aktuell und situativ gefällt werden mussten, trotz des ganzen
Wirbels in meinem Kopf. Da fiel mir der Spruch von Dr. Schullenberg
wieder ein: „Katzen sind unglaublich, und die schaffen viel mehr,
als es im Moment den Anschein hat, vertrauen Sie darauf!“. Zeit...
- Zeit schien mir eine annehmbare Lösung, eine Entscheidung konnte
ich immer noch treffen.


Es
kostet doch nur Zeit! Im Gegensatz dazu, was könnte ich
unwiederbringlich verlieren?... Emilio... ein Leben! Als auch noch
Dr. Kinzel von ihrer gelähmten Katze berichtete, war ich mir sicher.
-------Zeit halt----


Wir
wechselten in das Sprechzimmer von Dr. Neumann, wo sie einen
individuellen Behandlungsplan für Emilio erstellte. In schriftlicher
Form lag er nun vor, und Dr. Neumann verfolgte den Lehransatz:
„Learning by doing“.


Sie
erklärte mir die einzelnen Übungen anhand vom praktischen Beispiel
an Emilio. Sie machte vor und ich unter Anleitung und Korrektur nach.
Fragen wurden intensiv besprochen, kleine Schwierigkeiten durch
Alternativen beseitigt. Nach einer Stunde Praxis fühlte ich mich
soweit unterrichtet, die Übungen zu Hause alleine gut anwenden zu
können. Da Dr. Neumann der hygienische Zustand von Emilio
selbstverständlich aufgefallen war, stellte sie mir die Luna-Seite
vor.


Luna,
eine Zeit ihres Lebens gelähmte, inkontinente Katze, hat mit der
Unterstützung ihrer Dosi (so nennt man einen zweibeinigen
Katzenbesitzer) jahrelang mit ihrer Behinderung gut und sehr
lebensfroh gelebt. Lunas Frauchen hatte sich mit dem Thema
„Inkontinenz bei Katzen“ intensiv auseinander gesetzt und eine
gut umsetzbare Lösung gefunden, die sie im Internet veröffentlicht
hat. Von diesen Ergebnissen konnten nun auch wir profitieren.




Ein
Kater und Windeln


Frau
Dr. Neumann hatte uns die Anleitung für das Windeln von Katzen
ausgedruckt und ausdrücklich erklärt, dass ein Wundsein durch
ständigen Urinflußss unbedingt vermieden werden müsse,um weitere
Erkrankungen zu vermeiden.


Mit
neuen Aufgaben im Gepäck verließen wir die Praxis, kauften Windeln
und Einmalauflagen ein. Ob Emilio, der stolze Kater, sich wohl
Windeln anlegen lassen würde?


Schriebe
ich jetzt, dass das völlig problemlos vonstatten ging, müsste ich
lügen.


Im
Nachhinein stelle ich mir die Frage, wer mit wem mehr Geduld hatte.
Emilio schien meine Aufregung zu spüren, meine anfängliche
Ungeschicklichkeit sicher. Es dauerte schon ein wenig, bis meine
Bewegungen routinierter und für Emilio auch einfacher wurden. Nach
und nach optimierte sich unser System. Mit viel Übung fand sich auch
die richtige Anpassung der Windel für Emilios Körper. Anfangs
wickelte ich ihn auf seinem Bett, um unnötige Bewegungen und Stress
für ihn zu vermeiden. Sein Rudel ließ ihn völlig außer Acht.
Beruhte diese bewusste Ignoranz nun auf der Tatsache, dass Emilio
sich zwischen Tod und Leben befand und das Rudel diesen Umstand
wahrgenommen hat? Ich denke schon, denn mit der Zeit änderte sich
das Verhalten, dazu später mehr.


Durch
das Wickeln gestaltete sich unser Tagesablauf völlig anders.
Auflagen waren nach wie vor nötig, aber das häufige Waschen der
Handtücher und Decken (vier Mal am Tag) entfiel und wich dem
normalen Rhythmus. Emilio, der auf seinem Krankenlager etwa 1 m² zur
Verfügung hatte, wurde täglich wacher und aufmerksamer. Die Wunde
am Kinn heilte gut, es zeigte sich schon Schorf. Nachts schlief mein
Kater immer noch sehr unruhig und suchte den Körperkontakt. In
meiner Angst, ihn zu verletzen, hatte ich auf der Schnittstelle
beider Sofas eine Barriere errichtet, die ihm zwar ermöglichte, mich
zu sehen und mir die Möglichkeit ließ, meine Hand an seinen Körper
zu legen, ihn aber davon abhielt, sich zu mir rüber zu robben.
Morgens stellte ich dann fest, dass Emilio sich in der Nacht bis zur
Erhöhung geschleppt und eine Pfote darauf gelegt hatte. In Bewegung
war er jetzt schon, mühsam, aber Hauptsache: in Bewegung!


Das
Ritual


Unser
tägliches Ritual sah nun folgendermaßen aus:


Wir
standen um 05:00 Uhr auf. Dann nahm ich meinen Kater auf den Arm,
ging mit ihm in die Küche und legte ihn auf der mit einem Handtuch
vorbereiteten Spülfläche ab. Sein Rücken zeigte zu mir und mit dem
rechten Arm umfing ich seinen Körper.


Emilio
legte nach einer gewissen Zeit seinen Kopf in meine Armbeuge. Sein Po
wurde so platziert, dass er ein klein wenig über den Spülbeckenrand
hinausragte. Dann wusch ich mit warmem Wasser und Katzenshampoo die
Genitalien, die Pfoten und den Bauch sauber. Mit der Zeit passte das
Pelzgesicht sich so hervorragend an, dass er mit dem Kotabsatz bis
zum Waschen wartete. Dann reichte schon das Geräusch des laufenden
Wassers, hin und wieder eine kurze Stimulation des Afters, um den
Kotabsatz auszulösen. Anschließend wurde Emilio nach dem Waschen
auf ein trockenes Handtuch abgelegt und eingemummelt. Dann folgte im
Wohnzimmer (dort war es einfach wärmer) der vermeintlich schwierige
Teil.


Das
Föhnen. Ich war mir absolut nicht sicher, ob er das ungewohnte
Geräusch und die warme Luft tolerieren würde. Aber was blieb uns
anderes übrig, Alternativen gab es nicht! Ihn einfach trocknen zu
lassen, wäre völlig unverantwortlich gewesen.


Also
setzte ich mich mit Emilio auf den Beinen auf den Wohnzimmerboden.
Föhn, Bürste und vorbereitete Windel lagen neben mir. Seitwärts
lag er auf meinen ausgestreckten Beinen. Ich schaltete den Föhn auf
niedrigster Stufe ein. Das hohe Rauschen des Föhns ließ Emilio sich
zuerst etwas sträuben. Aber sein Vertrauen war größer und
offensichtlich empfand er die warme Luft als sehr angenehm, denn er
entspannte sich zusehends. Mit der weichen Bürste fing ich an, das
Fell an den Oberschenkeln zu bearbeiten. Die Reflexpunkte der Knie
bürstete ich unter leichtem Druck und stellte erfreut fest, dass die
Reflexe ausgelöst wurden. Zwar leicht, aber vorhanden. Dann folgten
Bürstenstriche entlang des Rückens bis zur Schwanzwurzel. Erst mit
dem Strich, dann entgegen des Striches und wieder mit dem Strich. Die
Fußsohlen stimulierte ich ebenfalls mit der Bürste. Dann wurde die
andere Seite entsprechend der ersten behandelt. Zum Schluss wurde der
Schwanz getrocknet, aber unter Anwendung eines Kammes.


Jetzt
fragen Ihr Euch sicher: „Warum mit dem Kamm?“ Leider hatte Emilio
aufgrund des Unfalles auch kein Gefühl mehr im Schwanz und konnte
selbigen auch nicht mehr heben, daher wurde der Schwanz noch
zusätzlich behandelt.


Mal
sehen, wie Emilio mit der Windel zurechtkommt...


Es
war ja wieder eine ganz andere Situation, er wurde auf meinen Beinen
gewickelt, und das nach einer anstrengenden Prozedur. Da er ja
bereits auf einer Seite lag, führte ich zuerst den Schwanz durch das
vorbereitete Loch in der Windel (Klebeflächen enden auf dem Rücken).


Die
Seite ohne Klebefläche legte ich auf seinen Rücken, den
verbleibenden Teil der Windel zog ich durch die Hinterläufe über
den Bauch meines Katers und konnte so die Klebeleiste leicht um das
Oberschenkelgelenk legen und am Rücken festkleben. Emilio legte ich
dann auf die andere Seite, zog dort ebenfalls die Klebeleiste um das
Gelenk (hier hat sich ein Einschneiden der Bündchen bewährt) und
befestigte sie ebenfalls auf den Aufnahmestreifen am Rücken. Voilà,
nach einer Stunde waren wir dann so weit, dass Emilio wieder auf
seinem Bettchen Platz nehmen konnte.


Das
Rudel und Vertrauen


Das
Rudel zeigte im Laufe der Woche immer mehr Interesse. Je wacher und
aufmerksamer Emilio wurde, umso näher kamen die anderen
Pelzgesichter.


Fox,
unser halbjähriger Kater, war der erste des Rudels, der sich zu
Emilio legte. Nur zum Schmusen natürlich, das Spezialfutter von
Emilio war natürlich nie der Anlass für die erste Kontaktaufnahme.


Fox
sitzt jetzt neben mir und bestätigt das noch einmal mit einem
eindeutigen „Nein“.


Zum
Ende der Woche hatte ich ein Erlebnis, das ich nicht mehr so schnell
vergessen werde. Dieser alte Emilio-Schlumpf…….Ich fühlte mich
morgens irgendwie beobachtet, öffnete meine Augen und wer stierte
mich, auf der Seite sitzend, an?




Emilio!


Ich
habe noch einmal die Augen zugemacht, weil ich dachte: „Mensch, Du
träumst!“, öffnete sie wieder und Emilio stierte mich immer noch
an, von oben herab so richtig stolz. Da konnte ich meine Tränen
nicht zurückhalten, Freudentränen diesmal, denn er belastete sein
linkes Vorderbein vollständig.


Er
saß seitlich auf seinem Po, die Hinterläufe am Körper
ausgestreckt. So schnell hatte ich meine Kamera noch nie in der Hand,
diesen so einmaligen Augenblick habe ich fotografiert.


Die
Wende


Das
war es....


Katerchen
wurde immer agiler. Rutschen und Schleppen sollten in den nächsten
Wochen unseren Alltag begleiten.


Der
nächste Untersuchungstermin bei Frau Dr. Kinzel und Dr. Neumann
stand an. Auf diesen Termin freute ich mich. Ich war so gespannt, wie
sie wohl reagieren würden.


Bei
den Ärztinnen angelangt, wurde Emilio erst einmal geknuddelt. Noch
im Korb, der eine abnehmbare Haube besitzt, wurde er körperlich
untersucht, die Windel wurde abgenommen. Frau Dr. Neumann stellte
erfreut fest, dass Emilio ja schon fast wieder wie eine richtige
Katze aussehen würde und nicht wie das erbarmungswürdige Geschöpf
bei der zweiten Untersuchung. …..Er roch auch viel
besser...........


Dann
kam der große Moment, die Ärztinnen waren erfreut.


Emilio
zeigte auch dort seinen Fortschritt, er belastete das linke
Vorderpfötchen. Hätte man nicht gewusst, dass dieser Vorderlauf
eigentlich gelähmt war, würde man es nicht sehen. Dr. Neumann
stellte erleichtert fest: „So, jetzt haben wir den Punkt, an dem
Emilio auch ohne Einsatz beider Hinterläufe ein lebenswertes Leben
hat, super!“.


Besonders
erstaunt waren beide Ärztinnen, dass Emilio diesen lebenswichtigen
Fortschritt schon nach so kurzer Zeit geschafft hatte. Nun konnten
wir die Physiotherapie aufstocken und verändern. Durch Zug und
Gegenzug (Hilfe beim Aufstehen, er geht vorwärts und wird mit ein
wenig Gegenzug zurückgehalten) sollte die Muskulatur aufgebaut
werden, da er die Vorderläufe und seinen Oberkörper zukünftig
vermehrt belasten musste.


Mit
einem neuen Termin verließen wir die Praxis und machten uns auf den
Heimweg. Emilio sollte uns in den nächsten Wochen noch zeigen, wozu
er imstande ist.


Fortschritte

Der
nächste Morgen wurde für meine Kater anders gestaltet.


Da
er nun beide Vorderläufe bewegen konnte, legte ich ihn nach der
morgendlichen Versorgung auf dem Wohnzimmerboden ab. Ich hatte eine
gemütliche Ecke vorbereitet, die durch keine Barrieren gesichert
war, er sollte am normalen Leben teilhaben. Bei dem ersten
unerwarteten Geräusch schleppte Emilio sich , so schnell er konnte,
unter das Sofa. Die ungewohnte Situation überforderte ihn, ich
denke, er hatte sofort den Unfall im Kopf. Da musste eine gehörige
Portion Geduld her, und damit konnte ich ja dienen, auch das würden
wir schon in den Griff bekommen. Auf keinen Fall wollte ich Zwang
anwenden, um ihn unter dem Sofa hervorzuholen. Er sollte selber
entscheiden können, wann er die schützende Umgebung wieder
verlassen würde.


Mittags
stellte ich sein Futter in die Nähe des Sofas, da ich genau weiß,
wie verfressen die Pelznase ist. Ich musste gar nicht lange warten,
und er streckte seinen Riesenpelzkopf unter der Sofakante raus. „Na,
trauen wir uns doch noch? Nun komm, mein Junge, hier passiert dir
doch nichts!“.


Emilio
schälte sich unter dem Sofa heraus und schaute mich schuldbewusst
an. Er hatte unterwegs seine Windel verloren und unter dem Sofa auf
den Boden gepieschert. „Ist doch alles nicht so schlimm, kann doch
passieren...“ murmelte ich ihm leise zu, während ich ihn
streichelte. Er antwortete mit einem leisen Gurren und schob seine
Nase zum Teller. Er brauchte halt nur ein wenig Zeit, um auch der
Umgebung auf dem Boden sein Vertrauen schenken zu können.


Nach
ein paar Tagen war es dann so weit. Emilio rutschte auf seinem Po
völlig ungeniert durch die ganze Wohnung. Ich könnte darauf
schwören, dass die anderen Fellnasen gelacht haben, sie waren total
fasziniert. Ein Wesen, das wie eine Katze aussieht, das auch so
riecht wie eine Katze, aber noch einen Zusatz am Po trägt und dazu
nicht laufen kann.


Emilio
konnte selbstständig in die Küche rutschen und nahm an den
gemeinsamen Mahlzeiten teil.


Eigentlich
durfte ich mich nicht amüsieren, aber mein Rutschekater sah so
genial aus. Richtig herrschaftlich, mit erhobenem Haupt schleifte er
seinen Po hinter sich her. Die Treppenstufe zur Küche wurde
ebenfalls im Rutschen genommen. Die Geschwindigkeit, die er mit der
Zeit entwickelte war atemberaubend.


Könnte
ich mir eigentlich vorstellen, dass das in Zukunft immer so aussieht?
Windel und Schleifen? Was wäre denn jetzt, wenn die Lähmung der
Hinterläufe bestehen bleibt?


Eine
schwierige Frage, aber innerlich hatte ich mich damit schon
abgefunden, denn Emilio strahlte Lebensfreunde - und Würde aus. Er
würde mit der Windel gut leben können.


Die
Zweibeiner auch? Wo doch in der heutigen Zeit alles perfekt sein muß.


Das
Pelzgesicht machte sich darum überhaupt keine Gedanken. Mit seiner
Windel am Po war er zeitweise schneller als seine vierbeinigen
Freunde. Sein Oberkörper wurde zusehends muskulöser, und ich begann
langsam damit, ihn häufiger auf seine Hinterläufe zu stellen.
Gerade die Mahlzeiten boten sich dafür an, da er so stark auf das
Futter konzentriert war. Er bekam überhaupt nicht mit, was ich mit
seinen Hinterläufen anstellte. Zu Beginn konnte er sich nicht halten
und fiel schnell auf seinen Po zurück. Kurze Zeit später war er
jedoch in der Lage, sein Becken einige Sekunden hochzuhalten. Aus
Sekunden wurden Minuten und aus Minuten - Selbständigkeit!


Der
natürliche Bewegungsablauf beim Gehen war Emilio fremd geworden,
zumal der hintere Bereich eine ganze Zeitlang für ihn nicht spürbar
war.


Damit
er sich wieder erinnerte, nahm ich ein Handtuch zur Hilfe. Ich legte
es ihm quer unter den Bauch, so dass beide Enden links und rechts
herausragten. Dann nahm ich beide Enden hoch und hob Emilio somit in
die Luft. Die Hinterläufe hatten jetzt keine Last zu tragen und
konnten theoretisch bewegt werden. Emilio verstand nicht, was ich von
ihm erwartete. Also legte ich das Handtuch wieder ab und umfasste mit
beiden Händen sein Becken, hob ihn auf und übte leichten Druck nach
vorne aus.


Jetzt!
Er hatte es begriffen!


Unbeholfen
und schwerfällig stakste er nach vorne. Ein paar Meter nur, und er
war erschöpft. Aber das Erfolgserlebnis zählte! Ich konnte sicher
sein, dass er nun geistig umsetzen konnte, was ich mit dem Handtuch
eigentlich von ihm erwartete. Er machte aktiv mit und seinem Gesicht
war anzusehen, dass es ein komisches Erlebnis für ihn war, seine
Pfoten auf dem kalten Boden zu spüren. Er zog eine richtige
Grimasse.


Die
Beckenentlastung durch das Handtuch erleichterte das Üben des
natürlichen


Bewegungsablaufes
und Emilio belohnte mich, indem er, nach einigem Üben, die
Hinterläufe selbstständig nach vorne bewegte. Einen besonderen
Moment habe ich auf Video festgehalten. Emilio saß an seinem Napf,
hob das Becken ganz alleine an und konnte diese Haltung einige
Minuten beibehalten.




Dieser
Kater war und ist unglaublich. Wie viel Lebenswillen und welche
Stärke ist nötig, um diese Unfallfolgen zu überwinden! In den
folgenden Tagen zeigte mein Kater seine wirkliche Stärke. Er
überwand die Schmerzen und setzte immer häufiger ganz bewusst seine
Hinterläufe ein. Das Gangbild war sehr unsicher, aber gegenüber der
vorherigen Prognose war das ein unglaublich schöner Anblick. Wenn
ihn die Kräfte verließen, knickten die Läufe wieder ein, die
Anstrengung stand ihm ins Gesicht geschrieben. Aber Emilio war
tapfer. Er wurde mobiler und baute seine Kondition auf.


Mir
stellte sich jetzt die Frage, ob der richtige Zeitpunkt gekommen war,
die Windel zu entfernen.


Mein
Kater hat mir vertraut, und nun war ich an der Reihe, ihm zu
vertrauen.


Zwei
Katzentoiletten fanden ihren Platz im Wohnzimmer, eine in der Nähe
seines Schlafplatzes und eine am Katzenkratzbaum. Die Toiletten
hatten wir mit einer Art Rampe umbaut, damit Emilio leichter Zugang
finden konnte.


Es
war fast wie bei einem Kleinkind in der Übergangsphase von der
Benutzung der Windel zur Benutzung der Toilette. Tagsüber bewegte
sich Emilio ohne Windel durch die Wohnung, nachts wurde er gewickelt.
Malheure passierten hin und wieder, aber er zeigte uns täglich, dass
er Fortschritte machte. Die Pfützen wurden weniger! Als schwieriger
stellte sich der Kotabsatz heraus. Emilio konnte seit dem Unfall
seinen Schwanz nicht heben und hatte entsprechende Verunreinigungen
in seinem Fell, die sich jedoch im Rahmen hielten und auch schnell
beseitigt waren.


Eines
Abends zeigte mir meine tapfere kleine Fellnase, dass er der Ansicht
war, über Nacht keine Windel mehr zu benötigen. Morgens stellte ich
fest, dass er sich die Windel über Nacht einfach mal so ausgezogen
hatte. Ist er nicht klug? Im Gegensatz zu mir..


Zweibeiner
sind aber auch manchmal begriffsstutzig... Na, ja! Ich dachte nur:
„Okay, was kann schon großartig passieren? Versuchen wir es
einfach, und wenn es nicht klappt, braucht er halt noch ein wenig
Zeit.“.


Seit
diesem Abend trägt mein geliebtes Pelzgesicht keine Windel mehr.
Manchmal muss man seinen Vierbeinern vertrauen: „Wer nicht wagt,
der nicht gewinnt!“


Emilio
war wieder fester, eigenständiger Bestandteil des Rudels. Das Rudel
ist noch ein Thema für sich: Sein Rudel besteht aus sieben
Gefährten. Auffallend war, dass sie ihm Ruhe gönnten, wo Ruhe
angebracht war und ihn zum Spielen animierten, wenn er drohte,
depressiv zu werden. Ist schon jemand auf den Gedanken gekommen, dass
Tiere sich untereinander verständigen und genau wissen, intuitiv,
was ein Rudelmitglied braucht?


Unsere
Übermutter der Kompanie, Abby, fühlte sich in der Verantwortung,
sobald Emilio keine Windel mehr trug. So, als wolle sie sagen: „Du
siehst jetzt wieder aus wie eine richtige Katze, jetzt versorge ich
dich auch!“ Von da an trug sie Lebendfutter für Emilio und den
Rest des Rudels ins Haus. Bei der ersten Maus, die Abby vor Emilio
fallen ließ, schaute er mich fast schon verlegen an: „Wie soll ich
denn? Meine Zähne sind doch zerstört!“.


Ich
darf verraten, dass die Maus überlebt hat, völlig durchnässt, aber
am Leben. Durch die Zersplitterung seiner Zähne kann Emilio seinem
Beutetrieb nicht mehr so recht nachkommen. Ertränken kann er die
Tierchen allemal mit seinem Speichel, aber richtig Beißen geht eben
nicht mehr.


Übermutter
Abby war es auch, die ihn über die Katzenklappe nach draußen
lockte. Als Emilio mich von außen darauf aufmerksam machte, wo er
sich befand, war ich sehr aufgeregt und unsicher, wie ich mich
verhalten sollte. Aber was sollte passieren? Emilio konnte nicht
springen, und der Garten war eingezäunt. Meine Fellnase machte sich
weniger Gedanken darum, er nahm sein Leben trotz seiner
Einschränkungen auf. So sollte das auch sein. Er genoss jeden Tag
und seine Freunde unterstützten ihn, durch ihre Anwesenhei


Aus
Emilio`s Sicht


Der
Garten sieht so toll aus und riecht so gut. Ich bin richtig
glücklich.


Meine
hinteren Beine sind noch ein wenig steif, aber das stört mich nicht.


Von
meinen Gefährten habe ich gehört, dass in unserer Umgebung keine
Katze lebt, die so komische, weiße Dinger am Po hatten. Auch hatte
keiner aus der Katzengemeinde so häufig Kontakt mit den
weißgekleideten Zweibeinern, die Einen manchmal pieksen und andere
merkwürdige Sachen machen.


Aber,
ich habe mich danach immer besser gefühlt, also können sie doch gar
nicht so schlecht sein. Fremde Zweibeiner mag ich überhaupt nicht
mehr, das war früher anders.


Da
habe ich mir immer Streicheleinheiten und manchmal auch ein
Leckerchen abgeholt. Das mache ich nicht mehr, denn ich habe große
Angst. Diese großen Knatterdinger machen mir noch mehr Angst und
deshalb verstecke ich mich immer.


Was
ich richtig toll finde, meine Katzeneltern habe ich so richtig gut
erzogen. Jaaaaaa, immer, dann wann ich mag, bekomme ich meine
Schmusis. Wenn ich mich einsam fühle maunze ich in einem ganz
besonderen Ton, dann kommt sofort ein Zweibeiner angerannt und nimmt
sich meiner an. Ich habe ein tolles Leben und bin unendlich dankbar,
das zeige ich meinen Lieben auch immer.


In
meinem Rudel sieht das anders aus.


Die
beiden Jungspunde haben nach der Kastration gedacht, dass ich zu
schwach sei, meine Rangfolge bei zu behalten. Denen habe ich es
gezeigt.


Ich
habe zwar eine dolle Schramme am Kinn, aber ich bin immer noch stark,
hinten wackelig wie eine Ente, aber vorne, vorne bin ich ein Tiger.


Das
emotional belastende Jahr 2011 hatten wir hinter uns gelassen.


Für
das neue Jahr hatten wir uns umsetzbare Ziele gesteckt, die nach den
Erfahrungen und Erfolgen im vergangenen Jahr sicher erreicht werden
könnten. Jetzt hieß es, beide Ärztinnen der Spezialklinik in
Erstaunen zu versetzen. Von Emilios enormer Entwicklung hatten sie ja
nur ansatzweise gehört. In meinen Mails habe ich die gefilmten
Fortschritte übermittelt, jetzt sollten sie, sie selber
begutachten...


Mit
einem windellosen Emilio ging es in die Klinik. Es war wieder ein
Termin mit beiden Ärztinnen vereinbart. Als Dr. Kinzel den
Behandlungsraum betrat, konnte ich die Neuigkeit nicht für mich
behalten: „Wissen Sie was? Emilio kann selbständig laufen und
kommt ohne Windel sehr gut zurecht.“


Dr.
Kinzel freute sich, schon fast ungläubig. So eine enorme
gesundheitliche Veränderung innerhalb dieser kurzen Zeitspanne! Das
ist schon sehr ungewöhnlich!


Ich
bat um die Erlaubnis, diese Untersuchung filmen zu dürfen, meine
Kamera legte ich bereit. Dr. Neumann betrat den Behandlungsraum.
Emilio durfte zeigen, was für ein kleines (oder doch eher großes!)
Wunder er vollbracht hatte. Beide Ärztinnen waren begeistert. Sie
testeten die Schmerzreflexe, die zügig ausgelöst werden konnten.
Die Nerven waren vollständig regeneriert.


Den
linken Vorderlauf nahmen sie besonders ins Visier, da dieser den
Eindruck vermittelte, nie verletzt gewesen zu sein.


Von
einer Lähmung überhaupt keine Spur mehr.


Emilio
konnte sich sogar mit beiden Vorderläufen an der Kante des
Behandlungstisches hochziehen. Die Hinterläufe waren noch ein wenig
beeinträchtigt, was ihn nicht daran hinderte, durch die Praxis zu
humpeln.


Das
macht einfach nur sprachlos.


Ein
gelähmter Kater, der nach einem äußerst schweren Autounfall
(überfahren worden, nicht nur angefahren!) innerhalb von nur 3
Monaten das Gehen wieder erlernt. Was bleibt, ist der Bruch des
Brustwirbels, mein Pelzgesicht scheint das nicht zu stören, er hat
sich mit seinem neuen Gangbild arrangiert.


Dr.
Kinzel wagte die Prognose, dass Emilio in einigen Wochen vollständig
genesen ist. Anfang Februar bekam Emilio eine Anabolikainjektion, da
der Muskelaufbau im hinteren Bereich stagnierte.


Eine
weitere Anabolikagabe wird folgen.


Gestern,
Heute, Morgen


Heute
benimmt Emilio sich fast so, als sei gar nichts passiert. Er geht
regelmäßig in den Garten und verrichtet dort auch sein Geschäft.


Hat
Emilios Verhalten sich verändert?


Eindeutig
ja. Er ist sehr, sehr anhänglich und sucht ständig den
Körperkontakt. Mittlerweile bettelt er bei Tisch wie ein Hund, weil
er weiß, dass ich immer ein Leckerchen zur Hand habe.


Fremden
gegenüber ist er nicht mehr so aufgeschlossen wie früher, bei
unerwarteten Geräuschen reagiert er mit einem Fluchtreflex. Emilio
braucht Zeit. Die körperlichen Verletzungen sind fast verheilt, die
seelischen brauchen Zeit.


An
Geduld hat es uns nie gefehlt, den Rest des Weges werden wir
gemeinsam mit Emilio meistern.




In
Memoriam:


Meine
Mutter 12.07.2001


Mein
Vater 06.07.2011


Kira,
meine 13 jährige Hündin, 05.11.2011


Nachtrag

Die
zweite Anabolikagabe ist erfolgt.


Der
Muskelaufbau erfolgt ganz langsam aber erkennbar. Die Muskulatur im
Brustbereich ist enorm stark. Es habe sich richtige Pakete gebildet.
Hinten sieht er immer noch aus, wie eine kleine Ente.


Wenn
er sich verausgabt, sieht man das sofort, dann humpelt er enorm.


Am
14.05.2012 erfolgte die Zahnsanierung. Wir haben sie möglichst weit
nach hinten geschoben, weil eine Narkose die Regeneration der Nerven
behindert hätte.


Im
Mai ging es nicht mehr anders. Entzündungen zwangen uns zur
Handlung. Ein Reißzahn wurde gezogen, einer gefüllt, damit das Kinn
keine Fehlstellung einnimmt. Die restlichen Zähne wurden
abgeschliffen, da sie alle von dem Unfall betroffen waren.


Nach
der Narkose bekam ich einen gewaltigen Schrecken. Emilio brauchte
schon lange, bis er wieder wach war. Dann der Moment, ich hatte
erwartet, dass er aufsteht, wacklig zwar, aber auf vier Beinen. Das
funktionierte nicht. Er bekam die Hinterläufe nicht aufgerichtet und
robbte auf dem Po vorwärts. Tränen stiegen mir in die Augen. Das
durfte doch nicht sein, nicht so, nicht nach einer solch lapidaren
Operation. Meine Verzweiflung war spürbar. Emilio ließ sich nicht
beeindrucken und setzte zwei Stunden später seine Hinterläufe
wieder aktiv ein.


Emilio
hat es überstanden. Es waren emotionale Höhen und Tiefen, die wir
durchliefen. Meine Intention zum Schreiben ist das unbändige
Bedürfnis etwas bewegen zu können. Wenn Emilios Geschichte nur
einen Tierliebhaber dazu bewegt, eine finale Entscheidung zu
überdenken, dann haben wir unser Ziel erreicht. Vielleicht dient die
Geschichte ja auch als Beweis der Alternativen und Möglichkeiten,
die man als Mensch hat.


Kurzanleitung
für das Windeln


  1. Windel
    entsprechend des Gewichtes der Katze kaufen


  2. Die
    Bündchen sollten an den Stellen, die um die Gelenke führen,
    eingeschnitten werden, damit die Katze sich nicht wund scheuert.


  3. Die
    Klebestreifen gehören auf den Rücken.


  4. Ein
    sternförmiger Einschnitt dient zur Durchführung des Schwanzes
    (etwa zwei Finger breit über der Knickfalte und im Durchmesser etwa
    von der Größe eines 2€-Stücks).


    Zubehör
    für die inkontinente Katze


    • Windeln



  • Einmal-/Wickelauflagen



  • Waschbare
    Inkontinenzauflagen (mind. 2), erhältlich im Sanitätsfachhandel


  • Katzenshampoo

  • Föhn

  • große
    Handtücher


  • weiche
    Bürste


  • Kamm

  • Schere

    Anleitung
    für das Windeln


    Zunächst
    möchte ich Euch meinen Respekt zum Ausdruck bringen. Menschen, die
    einer inkontinenten und/oder gelähmten Katze die Chance auf ein
    Weiterleben gewähren, sind besondere Menschen, die ihr Tier über
    alles lieben und sich dieser ungewöhnlichen Situation stellen. Das
    ist nicht selbstverständlich, denn es kostet Mühe und Zeit, bis
    sich Tier und Mensch in dieser ungewöhnlichen Phase eingespielt
    haben. Ihr übernehmt eine große Verantwortung. Die Herausforderung
    ist enorm aber zu bewältigen. Eure Katze wird es Euch mit Hingabe
    danken.


    Welche
    Windel kaufe ich


    Das
    Gewicht der Katze ist ein guter Indikator für den Kauf der Windel.
    Emilio hatte nach seinem Unfall stark an Gewicht verloren, so dass
    ich zunächst auf New Born Baby (Größe1/ 2-5kg) von


    einer
    bekannten Windelfirma zurückgegriffen habe. Günstigere Alternativen
    habe ich auch probiert, muss jedoch aus Erfahrung berichten, dass sie
    sich nicht bewährt haben (Ausflocken, zu geringe
    Flüssigkeitsaufnahme, zu breite Bündchen, die ein Wundscheuern
    fördern). Als Emilio wieder bei knapp 5 kg angelangt war, habe ich
    mich für Aktive (Größe3/ 4-9kg), alternativ Baby dry (Größe2/
    3-6kg) entschieden.


    Welche
    Auflagen zum Schutz gegen das Durchnässen benötige ich?


    Als
    Unterlage für Handtücher/Decken habe ich waschbare
    Inkontinenzauflagen aus dem Sanitätsfachhandel benutzt. Es sollten
    (für den Wechsel) mindestens zwei Stück vorhanden sein. Sie sind
    bei 95 Grad waschbar.


    Als
    Auflage für die Decken oder für den Transport sind
    Einmal-/Wickelauflagen bestens geeignet, da sie sich auch unterwegs
    problemlos und schnell beseitigen lassen, ohne einen begleitenden
    Duft im Fahrzeug zu hinterlassen.


    Sollte
    die Katze wirklich gewaschen werden?


    Das
    Waschen ist leider, oder in Emilios Fall Gott sei Dank,
    unentbehrlich. Kot (besonders im langen Fell) lässt sich mit einem
    Waschlappen nur schwer entfernen und die Katzen reagieren leicht
    genervt auf das ständige Zupfen.


    Beim
    Waschen mit lauwarmen Wasser lösen sich Rückstände leichter, und
    das verwendete Pflegeprodukt wird restlos ausgespült. Emilio hat
    sich im Laufe der Therapie sehr gut angepasst. Sobald er auf der
    Spüle lag und ich zum Waschen ansetzte, reichte die leichte
    Stimulation des Afters aus, um das Abkoten in Gang zu setzen. Das hat
    natürlich auch den Vorteil, dass die Katzen wieder lernen, ihre
    Muskeln (Blase, Darm) zu nutzen.


    Wie
    sieht das mit der Trocknung aus?


    Bei
    Emilio hat sich das Trocknen mit dem Föhn bewährt. Nach dem Waschen
    habe ich mich mit Emilio in eine ruhige Ecke im Wohnzimmer auf den
    Boden gesetzt, die Windeln lagen griffbereit neben mir auf dem Boden,
    ebenso der Föhn und verschiedene Bürsten. Zunächst habe ich das
    Gerät nur auf minimaler Stufe, mit minimaler Hitze betrieben. Beim
    Trocknen habe ich zeitgleich gekämmt und dabei auch die
    Physiotherapie durchgeführt. Durch die Wärme haben sich Emilio und
    seine Muskeln entspannt und nach einer Gewöhnungsphase hat er das
    Trocknen regelrecht genossen


    Diagnosen der
    Tierärzte


    Erstversorgende
    Tierärztin

    Am 25.11.2011wurde der zwei Jahre alte
    maennlich--‐kastrierte Main--‐Coon--‐Kater
    „Emilio“in Brustbauchlage in unserer Praxis
    vorgestellt.Bei der Untersuchung zeigte er ein
    mittel--‐bis hochgradig herabgesetztes
    Allgemeinbefinden. Die Atmung war unauffällig. Bei
    Auskulatation des Herzens zeigte sich eine leichte
    Tachykardie Die kapilläre Rückfüllungszeit lag bei
    unter zwei Sekunden. Die Stärke des Femoralispulses war
    gering--bis mittelgeradig herabgesetzt. Die
    Maulschleimhaut war rosa--‐rot, feucht,glatt und
    glänzend. An den Vordergliedmaßen befanden sich
    multiple Hautabschürfungen.Besorgniserregend waren die
    neurologischen Befunde. Eine starke Hinterhandparese mit
    geringradig herabgesetzter Tiefensensibilität. Die linke
    Vordergliedmaße zeigt eineFehlstellung (ähnlich einer
    Radialislähmung)mit stark herabgesetzter
    Tiefensensibilität. Durch Schmerzreize am kaudalen
    Schwanzende zeigte Emilio keine Reaktion. Der Analreflex
    war unauffällig. Die Harnblase war stark gefüllt,
    jedoch es konnte durch leichten Druck Harn gewonnen
    werden. Im Urinstix zeigte sich eine Hämaturie(die
    restlichen Parameter waren unauffällig).Davon einem
    starkenTrauma auszugehen war, wurde sofort eine
    Röntgenübersichtsaufnahme angefertigt.
    Röntgenologischer Befund:
    Lungeunauffällig/Herzschatten:schmal/keine sichtbare
    freie Flüssigkeit im Abdomen oder Thorax/keine
    Zwerchfellruptur/im Bereich der Wirbelsäule keine
    Auffälligkeiten. Direkt nach der Röntgenaufnahme bekam
    „Emilo“wegen seiner starken Hypothermie von 36,5°C
    eine angewärmte Dauertropfinfusion über einen
    Venenkatheter. zusätzlich wurde er auf einem Wärmekissen
    gelagert und mit Schmerzmittel und Vit--‐B--‐Komplex
    durch subkutane Injektionen versorgt. Nach Stabilisierung
    des Allgemeinbefindens wurde„Emilio“zum
    neurologischen Konzil in die Praxis von Frau
    Dr.Kinzel/Aachen überwiesen, da in dieser Praxis alle
    notwendigen diagnostischen Hilfsmittel und fachliche
    Kompetenz vorhanden sind. Gerade bei Nervenschädigungen
    ist eine schnelle Hilfe für die Prognose sehr wichtig.
    Da Nerven eine gewisse Zeit zur möglichen Regeneration
    benötigen brauchenTier und Besitzer oft sehr viel
    Geduld. Jedes Tier reagiert auf extreme Ausnahmezustände
    unterschiedlich, aus diesem Grund sollte man mit in
    Zusammenarbeit mit den Besitzern herausfinden,was für
    das betroffeneTier der richtige Weg ist!
    Mit
    freundlichen Grüßen A.H.(Tierarztpraxis
    Dr.Unsere
    Haustierärztin


    (753)
    Emilio Katze, Maine Coon, 01.01.2010, mk

    26.11.2011
    Martina SchullenAbemrgbulant nach Verkehrsunfall

    gestern
    angefahren worden; zunächst Schock u Parese bei erhaltener
    Tiefensensibilität;

    bei
    Kinzel durchgerö: Skelett scheint i.O.

    TH:
    Infusion (RiLac, Dexamethason; Duphamox; Metacam; Dimazon)

    HEUTE:
    noch stehunfähig, Sensibilität in Hglm besser, vo li ebf.;
    Überlaufblase (--> man entleert) u Kontrolle heute Abend

    LEI
    Folgeuntersuchung im gleichen Behandlungsfall mit Beratung 1,00

    MED
    Dexamethason 4 mg/ml 1Fl. à 50ml 0,40 ml

    MED
    Sterofundin ISO 500ml 200,00 ml

    26.11.2011
    Martina SchullenAbemrgbulant FU

    noch
    immer gelähmt (nur re Voglm funktioniert) und Überlaufbalse -->
    manuell entleert (Urin sehr blutig)

    LEI
    Folgeuntersuchung im gleichen Behandlungsfall mit Beratung 0,50

    LEI
    Harnapparat, Uringewinnung, Blase entleeren, manuell 1,00

    27.11.2011
    Martina SchullenAbemrgbulant FU; Blasenkatheter gelegt

    Zustand
    +/-; Fr. Völtz schafft es nicht Blase zu entleeren --> Katheter
    gelegt; Ko in 36-48h

    LEI
    Folgeuntersuchung im gleichen Behandlungsfall mit Beratung 1,00

    LEI
    Harnapparat, Uringewinnung, Blasenkatheter, Rüde, Kater und
    sonstige, männlich 1,00

    MED
    Duphamox LA 1Fl. à 100ml 0,50 ml

    MED
    Metacam 1,5mg/ml Suspension zum Eingeben für Hund 1Fl. à 32ml 0,30
    ml

    MED
    Dexamethason 4 mg/ml 1Fl. à 50ml 0,50 ml

    MED
    Sterofundin ISO 500ml 200,00 ml

    28.11.2011
    Martina SchullenAbemrgbulant FU

    Blase
    läuft schön aus, Abdomen ganz weich frisst gut, allerdings sich
    verstärkender Nickhautvorfall re

    zieht
    Hglm. schon mal an und moppert bei s.c. Injektion;

    CAVE
    noch kein KOTABSATZ, ggf. Abführen (soll erst x Sahne etc. essen/
    trinken) und li Handgelenk schmerzhaft,

    je
    nach Klinik noch x rö.;

    Kontrolle
    in 2d

    LEI
    Folgeuntersuchung im gleichen Behandlungsfall mit Beratung 0,50

    LEI
    Injektion, Instillation, Infusion, subkutan, intrakutan,
    intramuskulär, intraingluvial (Ziergeflügel) 1,00

    MED
    Duphamox LA 1Fl. à 100ml 0,60 ml

    MED
    Metacam 5 mg Injektionslösung für Hund/Katze 1Fl. à 20ml 0,40 ml

    01.12.2011
    Martina SchullenAbemrgbulant FU

    insgesamt
    besser, aber leichter Infekt obere Atemwege (trotz Duphamox -->
    ergänzen!); li Nares m Eiter

    hat
    etw. Kot abgesetzt --> Paraffin rektal u 1 große Wurst (mit
    Bandwürmern) rausgeholt

    Blase
    weich u Darm anschl. leer

    LEI
    Folgeuntersuchung im gleichen Behandlungsfall mit Beratung 1,00

    MED
    Duphamox LA 1Fl. à 100ml 0,60 ml

    MED
    Metacam 5 mg Injektionslösung für Hund/Katze 1Fl. à 20ml 0,40 ml

    MED
    Sterofundin ISO 500ml 75,00 ml

    MED
    Paraffinum perliquidum 1Fl. à 1000ml 20,00 ml

    01.12.2011
    Martina SchullenAbemrgbulant Nur Medikamente

    MED
    Convenia 10ml 0,65 ml

    08.12.2011
    Martina SchullenAbemrgbulant Röntgen u WK

    LEI
    Folgeuntersuchung im gleichen Behandlungsfall mit Beratung 1,00

    LEI
    Strahlendiagnostik, Aufnahme, je erste und zweite Aufnahme 2,00

    LEI
    Strahlendiagnostik, Aufnahme, jede weitere Aufnahme 1,00

    MED
    Praziquasel-Injektion 1Fl. à 10ml 0,60 ml

    MED
    Dectomax Injektionslösung für Rinder und Schafe 1Fl. à 50ml 0,30
    ml

    27.12.2011
    Martina SchullenAbemrgbulant Direktverkauf

    MED
    Korvimin Diar Kautabletten Pckg. 2,00 St.

    GP.Software
    Eltville

    Firma:Praxis,
    Von:26.11.2011, Bis:17.07.2012, Welche: Besuche

    Seite
    : 2

    erstellt
    am :

    17.07.2012

    29.12.2011
    Martina SchullenAbemrgbulant Diarrhoe

    LEI
    Folgeuntersuchung im gleichen Behandlungsfall mit Beratung 1,00

    MED
    Enrofloxacin 5 % WDT Injektionslösung 4,00 ml

    MED
    Atropinum compositum ad us.vet. 10 x 1 ml 0,5mg / ml 1,00 St.

    MED
    Frontline Combo Spot on Hund XL 6Appl. 1,00 Appl.

    17.02.2012
    Martina SchullenAbemrgbulant Kontrolle

    macht
    sich sehr gut

    TH:
    Anabolin, vll in 4 Wochen nochmal

    LEI
    Folgeuntersuchung im gleichen Behandlungsfall mit Beratung 1,00

    LEI
    Injektion, Instillation, Infusion, subkutan, intrakutan,
    intramuskulär, intraingluvial (Ziergeflügel) 1,00

    MED
    Anabolin forte Inj- Lsg 0,05 ml

    03.05.2012
    Martina SchullenAbemrgbulant Kontrolle

    macht
    sich sehr gut

    TH:
    Anabolin, vll in 4 Wochen nochmal

    LEI
    Folgeuntersuchung im gleichen Behandlungsfall mit Beratung 1,00

    LEI
    Injektion, Instillation, Infusion, subkutan, intrakutan,
    intramuskulär, intraingluvial (Ziergeflügel) 1,00

    MED
    Anabolin forte Inj- Lsg 0,05 ml

    MED
    Frontline Combo Spot on Hund XL 6Appl. 1,00 Appl.

    14.05.2012
    Martina SchullenAbemrgbulant Zahnsanierung

    C
    OK li gezogen, da entzündet; re abgebrochen --> beigeschliffen u
    versucht zu füllen (cave! keine suabere Vitalamputation);

    UK
    Canini Ecken geglättet

    LEI
    Folgeuntersuchung im gleichen Behandlungsfall mit Beratung 0,00

    LEI_PKWInjektionsnarkose
    0,75

    MED
    Cepetor KH 10ml 0,48 ml

    MED
    Ketamin 10 % 1Fl. à 10ml 0,30 ml

    LEI
    Injektion, Instillation, Infusion, subkutan, intrakutan,
    intramuskulär, intraingluvial (Ziergeflügel) 1,00

    MED
    Metacam 5 mg Injektionslösung für Hund/Katze 1Fl. à 20ml 0,40 ml

    MED
    Duphamox LA 1Fl. à 100ml 0,60 ml

    MED
    Revertor 5mg/ml 10ml 0,40 ml

    LEI_PKWZahnextraktion,
    einfach 1,00

    LEI_PKWZahnfüllung
    1,00

    MED
    Metacam 1,5mg/ml Suspension zum Eingeben für Hund 1Fl. à 32ml 1,00
    ml
Beim Kopieren bitte auf die Absätze achten, danke, Admin

ASL

Katzenexpertin

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2

Montag, 30. Juli 2012, 20:17

habe selten eine so lange Geschichte gelesen, was heisst gelesen - verschlungen !!

ich glaube, jeder hätte angesichts derartiger Verletzungen gesagt, Einschläfern wäre das Beste, das Tierchen würde nur leiden ......., und eh nie mehr ....

faszinierend, wie der kleine Kater sich wieder ins Leben zurück gekämpft hat
mit Dosi`s, die nie aufgegeben haben !!!
ein Leben ohne Katzen ist möglich, aber sinnlos !

liebe Grüße aus dem Rheinland

Mia + Marco

Jokerbande

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4

Montag, 3. September 2012, 20:42

Meinen herzlichen Glückwunsch zur Genesung von Emilio, ich freue mich sehr, das diesem tapferen kleinen Kerl die Chance zur Rehabilitation gegeben wurde, ihr Dosis ward sehr mutig und geduldig, absolut schön anzusehen auf den Videos. Ich bin gerührt und begeistert!!!!!!! :thumbsup:
Danke dass ich teilhaben durfte...
Herzliche Grüsse von Silvia und den 4 fellis
Liebe Grüsse von der Jokerbande und ihrer Dosi Silvie :P

Jokerbande

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5

Montag, 3. September 2012, 21:13

Schnief, ich habe immer noch Tränen der Rührung in den Augen.. Habe nun die ganze Geschichte gelesen. Manno mann, das ist stark!!!! Es ist wunderbar!!!!!!!
Tapferer kleiner Emilio!!! Bleibe gesund und viele schöne Jahre wunschen wir dir noch!!! Und herzliche Grüsse an deine Dosis, die sind Spitze!!!!!!! :thumbup: :thumbsup:
Liebe Grüsse von der Jokerbande und ihrer Dosi Silvie :P

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6

Sonntag, 18. August 2013, 17:20

Neues von Emilio 2013


ango

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Wohnort: von der Alb ra

7

Sonntag, 18. August 2013, 17:51

Das ist ja echt klasse wie der sich gemacht hat :thumbsup:

Little Cat

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Dosiabdruck:

Vorname: Kerstin

Geschlecht: Weiblich

Wohnort: ich bin ein echtes Frankenmädel ;-)

8

Sonntag, 18. August 2013, 19:12

Super ich freu mich für den Süßen :thumbsup:
Liebe Grüße Kerstin mit Balou und Caruso :love:








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